Autoregion bei Mate Rimac in Kroatien
Ein Werksbesuch beim Visionär und jetzt alleinigem Bugatti-Eigner
Zagreb. Autoregion, das automobile Netzwerk der Großregion, hat buchstäblich das Ohr am Puls der Zeit. Ein oder zwei Mal jährlich macht sich eine Gruppe von Mitgliedern auf, um im Rahmen von „Tech Visits“ die Hand an den Puls der automobilen Entwicklung für die Zukunft zu legen. „Wir ermöglichen unseren Mitgliedern im Rahmen dieser Technologie-Reisen Einblicke, die vielen versperrt sind, weil nicht jeder dorthin kommt, wo wir Zugang bekommen,“ so Dr. Carsten Meier, stv. Geschäftsführer von autoregion und IHK-Geschäftsführer.
Jüngst ging es ins kroatische Zagreb. Dort hat die Rimac-Gruppe ihren Sitz und produziert in zwei Werken. Gegründet vom 38jährigen Kroaten Mate Rimac in einem Land an der Adriaküste, das keinerlei automobile Tradition in seiner Geschichte hat. Ausgerechnet dort wurde und wird noch Technologie-Geschichte geschrieben in einer Branche, die global derzeit vor dem größten Umbau seit der Erfindung des Autos durch Carl Benz und Gottlieb Daimler im Schwabenland steht. Nämlich den Weg zu den elektrisch angetriebenen Autos für den Massenmarkt und weg vom Verbrennungsmotor.
Der in Livno im einstigen Jugoslawien geborene Mate Rimac legte eine Karriere hin, wie sie das Leben nur selten schreibt. Er tüftelte in Vaters Garage, das Interesse für Autos und Technik war früh groß bei ihm. Ein guter Schüler war er nicht, aber das waren anderen Genies schließlich auch nicht. Einer seiner Lehrer ermutigte den Jungen zur Teilnahme an einem lokalen Elektronikwettbewerb, den er gewann. Früh hatte er die belächelte Idee, in Kroatien Autos zu bauen. Er brach später ein BWL-Studium und eins zum Elektroingenieur ab, weil ihm jeder davon abriet, in diesem Küstenstrich Autos zu bauen.
Die ganze Geschichte des sympathisch auftretenden Mate Rimac hier zu erzählen, führte zu weit. Immerhin war Rimac trotz seiner Terminenge am späteren Abend bei der autoregion zu Gast im Hotel „Esplanade“, wo die Delegation mit ihm in spannende Gespräche kam. Beeindruckend jedenfalls, einen der globalen Technologie-Taktgeber live zu erleben. Schließlich war die Kommunikation mit ihm problemlos in deutscher Sprache möglich, die er perfekt beherrscht. Denn er lebte mit seinen nach Deutschland gegangenen Eltern einige Jahre in Frankfurt.
Mate Rimac gründete 2007 sein eigenes Unternehmen, außerhalb des Landes wurde er kaum wahrgenommen. Die meisten hielten ihn für einen Phantasten. Er arbeitete sich mit unvorstellbarer Energie voran, manche nannten ihn den „Elon Musk Europas“. Er ist aber nicht mit dem erratischen Amerikaner zu vergleichen. Mate Rimac ist ein kühner Stratege mit einer klaren Vision.
Und nun kommt Bugatti aus dem elsässischen Molsheim ins Spiel, einst von VW-Patriarch Ferdinand Piech gegründet. Seit September 2026 gehört Bugatti ganz zur Rimac-Gruppe, Porsche stieg aus dem vorherigen Joint-Venture aus, ein Konsortium übernahm alle Anteile für eine Milliarde Euro. Mate Rimac hat das Sagen, ist jetzt auch noch Bugatti-Präsident. Bugatti hat im Sommer 2026 in Molsheim noch einen Fertigungskomplex in Betrieb genommen. An diesem edlen Standort mit viel Parkbäumen werden die Boliden künftig weiter gefertigt, die Entwicklung wird im Rimac-Campus in Sveta Nedelja – der künftigen Zentrale der Gruppe, erbaut für 300 Millionen Euro - stattfinden. Rimac baute einst das schnellste Elektro-Hypercar mit Weltrekord von 0 auf 400 km/h (!) in 25,79 Sekunden und wird künftig in Molsheim mit dem Verbrenner „Tourbillon“ das PS-stärkste Hypercar des Globus produzieren – zwei Welten also unter einem Dach
Der Gang durch die Fabrik im neuen Campus ist mehr als beeindruckend: Alles ist blitzblank, edle Architektur mit hochwertigen Materialien, viel Licht, wir konnten die Manufakturfertigung des auf 150 Exemplare (die Hälfte ist mittlerweile verkauft) limitierten „Nevera“ live erleben, hier wird Automobilbau in allerhöchsten Vollendung in reiner Handarbeit betrieben: Respekt vor dem perfekt-technisch Machbaren! Dafür kostet auch ein solches Fahrzeug ab zwei Millionen Euro aufwärts, jedes trägt andere Features. Rimac will aber auf Dauer kein Autoproduzent bleiben, die Nische ist mehr als klein. Die Gruppe hat indes große Expansionspläne und ist aufgestiegen vom Nischenanbieter zum Systemlieferanten. Sie ist jetzt schon Systemhersteller für Batterien und – Systeme. Und Komponenten werden im Werk Jankomir in Zagreb produziert. Es liefert Batteriesysteme für E-Fahzeuge - etwa für BMW und Porsche. Damit wird das Geld verdient. „Wir sind technologischer Vorreiter in Europa und derzeit konkurrenzlos“, sagt der deutschsprachige Einkaufschef Alem Jahdadić. In diesem Jahr kommt Rimac auf knapp 900 Millionen Euro Umsatz und wird zum ersten Mal in seiner Geschichte schwarze Zahlen schreiben, sagt Jahdadić. Die Gruppe beschäftigt derzeit knapp 2000 Mitarbeiter, davon sind rund 700 Ingenieure. Die Eigen-Finanzierung dieser Expansion grenzt an ein Wunder. „EU-Geld für uns gab es nur für unser Robotaxi“, sagt er. Das wird in einer Tochtergesellschaft vermarktet.
Und was hält der Mate Rimac vom Verbrenner, dessen möglichst schnelles Ende die Elektro-Apologeten an die Wand malen? Da hat Mate Rimac eine klare Meinung, wie er autoregion-Geschäftsführer Armin Gehl erläuterte. Supersportwagen seien emotionale Produkte, gebaut in Kleinserie und weiter mit Verbrennungsmotoren. Günstige Volumenautos würden elektrisch fahren, aber die höher angesetzten Hypercars würden für deren Käufer noch lange mit Verbrennungsmotoren gebaut. Er nennt das die „Schweizer Uhren-Phase des Marktes für Supersportwagen.“ Er meint damit: Mit „Swatch“ als technisch relativ simpler Massenware rettete Niklaus Hajek einst die Schweizer Uhrenindustrie. Die Edelhersteller von Blancpain bis Rolex, teils unter dem Swatch-Dach, überlebten bis heute und bauen Uhren für die allerhöchsten Ansprüche.



